Theaterprojekt

Die Theater-AG des Seminars lädt herzlich ein zu ihren zwei Aufführungen am 31.03. und 01.04., jeweils um 20 Uhr im Oratorium.

Wir führen dieses Jahr nach 4 Jahren wieder eine Tragödie des athenischen Dramatikers Sophokles auf, die Elektra. Dieses Stück, das dem Alterswerk des Dichters zuzurechnen ist, bildet einen Themenschwerpunkt der diesjährigen Interpretationsklausur im Griechischabitur.

In Gestalt Elektras konfrontiert uns das Drama mit einer gewaltigen Frauenfigur: der Tochter des von seiner Frau Klytaimnestra und ihrem Liebhaber Aigisthos nach seiner Rückkehr aus Troja erschlagenen Königs von Mykene, Agamemnon. Elektras öffentliches Leiden an diesem Verbrechen, an ihrer würdelosen Situation im Haus der Mörder, an der pragmatischen Haltung ihrer Schwester Chrysothemis, die sich um eines angemessenen Lebens willen den Verhältnissen fügt, und ihr jahrelanges Hoffen auf eine Wiederkehr des Bruders Orestes als Rächer stehen im Mittelpunkt des Stücks. Als Orestes durch einen Freund die Nachricht seines Todes überbringen lässt um Klytaimnestra und Aigisthos in Sicherheit zu wiegen, ist Elektra auch die letzte Hoffnung genommen. Indem sie alle Rollenerwartungen an eine junge griechische Frau in den Wind schlägt, entschließt sie sich, die Rache an der eigenen Mutter selbst zu vollziehen.

In für Sophokles typischer Weise (wenn man das angesichts des winzigen Bruchteils seiner Tragödien sagen kann, der überhaupt überliefert ist) stellt die zentrale Figur des Dramas ihre religiös-ethischen Überzeugungen und ihr heroisches Standesbewusstsein über den Konsens mit denen, die aus ihrer Sicht im falschen Leben sind. Durch diese Unerbittlichkeit der Titelheldin, die in grellem Kontrast steht zum ganz normalen Opportunismus ihrer Schwester und dem unsensiblen Pragmatismus ihres Bruders sowie durch das beklemmende Ende des Stücks fordert der Dichter uns wie sein athenisches Publikum Ende des 5.Jahrhunderts v.Chr. zur Stellungnahme im Umgang mit Schuld und damit letztendlich zur Wertereflexion auf.

Karten für die Vorstellungen können ab sofort über das Sekretariat unter der Nummer 07043-955090 zu 8 (ab 18 Jahren) bzw. 4 Euro vorbestellt und jeweils ab 19 Uhr an der Abendkasse abgeholt und bezahlt werden.  Die Dauer der Aufführung wird ca. 70-90 Minuten betragen.

Tobias Utz (91/96)

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