Geistliches

"An meinen ersten Semigottesdienst letztes Jahr erinnere ich mich noch sehr gut. Beeindruckend und neu. Es war und ist ein Erlebnis: Im kleinen Kreis mit anderen bei Kerzenschein Taizelieder singen und alles sogar noch mehrstimmig. Der Klang, der im Chorgestühl widerhallt, ist genauso schön wie die stillen Momente. Das und noch viel mehr lassen einen echte Gemeinschaft spüren. Während ich also die Atmosphäre bei meinem ersten Semigottesdienst genoss und hin und wieder umherschaute, fielen mir auch Schüler in weißen Kutten auf, die unseren Pfarrer unterstützten, indem sie z.B. eine Lesung hielten- die Messner. Inzwischen gehöre ich auch zu ihnen.

Doch was macht so ein Messner? Eine Sache habe ich oben ja schon erwähnt. Doch als Messner haben wir auch noch ein paar andere Aufgaben, die alle Spaß machen. Wir helfen im Semigottesdienst und in der Heimkehrandacht. Da gibt es aber eigentlich nur wenig Unterschied. Egal ob vor Semigottesdienst oder Heimkehrandacht... Wir treffen uns erstmal mit unserem Pfarrer. Er erzählt uns kurz wie er sich die Liturgie vorstellt und wenn Lesungen oder Fürbitten gehalten werden sollen, übernimmt das einer von uns. Dann holen wir die Kerzen und Teelichter und tauschen, wenn nötig, verbrauchte aus. Irgendjemand schließt schonmal den Kuttenschrank auf und verteilt die Kutten an uns. Es ist echt ein cooles Gefühl in weißen Kutten herumzulaufen!

Wenn alle „angezogen“ sind, geht`s ab ins Kloster. Auf dem Weg dorthin hängen wir noch Schilder auf, die zum Semigottesdienst oder zur Andacht einladen. Im schon dunklen Kloster stellen wir Teelichter auf, um den Weg durch die Klausur in die Klosterkirche sichtbar zu machen. Im Chorgestühl zünden wir die Kerzen an und sobald die Ersten eintrudeln, macht sich einer von uns auf den Weg um die Semiglocke drei Minuten lang vor Beginn zu läuten - von Hand! Neben diesen ganzen Vorbereitungen steht noch, dass wir alle Spaß, Interesse und Freude daran haben im Semigottesdienst oder der Andacht mitzuhelfen und bei der Gestaltung der Liturgie mitwirken zu können. Natürlich hat man als Messner Aufgaben und es ist irgendwie manchmal ein wenig anders während des Gottesdienstes an die Lesung zu denken, die man gleich hält und darauf hofft sich nicht zu verlesen, aber letztendlich ist es ein tolles Gefühl, wenn man sich erinnert warum und für wen man all diese Dinge macht: Aus Freude an der Sache, für die Gemeinschaft und für Gott, der mit uns diese Gemeinschaft lebt."

von Stella Falgenhauer (Promotion 2012/2016)

  • (C) Josef Stefan Kindler
 

Am Seminar gibt es nicht nur den Semi-Gottesdienst: Lesen Sie im Folgenden einen Artikel über das geistliche Leben am Seminar von Maik-Andres Schwarz (Promotion 2009/2013):

„Ubi caritas et amor“, singen jugendliche Stimmen im Chorgestühl in der Klosterkirche des alten Klosters Maulbronn bei Kerzenschein, „ubi caritas et amor, Deus ibi est. - Wo die Liebe ist, da ist Gott.“ Es ist bereits Abend geworden, zum Seminargottesdienst . Der hölzerne Fußboden aus dem 16. Jahrhundert ist schon glattgewetzt und bei den Stühlen kann man Kuhlen entdecken, in denen gerade die Sänger stehen. Seit dem Jahr 1147 wird hier gesungen und gebetet, seit 1556 von solchen Jugendlichen, Schülern, Seminaristen. Das alte Kloster ist Raum für unser Leben, das Chorgestühl sicher das Herz.

Die Angebote hier sind zahlreich und vielfältig: Reli-Vierstünder, Theologie-AG, Seminarkurs, Begrüßungsandachten, Sing- und Gebetsabende, Stundengebete  oder Seminar- und Sonntagsgottesdienste mit der Kirchengemeinde Maulbronn. Doch der Grund dafür und, dass hier im Kloster Maulbronn seit einer so langen Zeit Menschen zusammenkommen, ist nicht nur die wunderbare Atmosphäre, der Kerzenschein oder etwa die schöne Musik, nein! Es ist der Glaube, das Vertrauen auf die befreiende Gute Botschaft. Das soll in unserem gemeinschaftlichen Leben Raum finden. Offen und frei soll sich jeder damit auseinandersetzten: jede Frage stellen, nachdenken, hören, teilnehmen an christlichem Leben.

Deswegen, und nicht um der Form und Sitte willen, beginnt unser Tag gemeinsam, anschließend ans Frühstück, mit dem Lesen eines kurzen Bibelverses (Losung) und einem Gebet, manchmal auch mit einem Lied, deswegen beten wir auch gemeinsam vor jedem Essen.

Dass wir einander in Wertschätzung, Liebe und Respekt begegnen, voneinander lernen, einander zuhören und auch vergeben, ist hier allgegenwärtig: jeder ist hier ein Teil der Gemeinschaft, jeder akzeptiert und angenommen.