BOGY

BOGY steht für "Berufs- und Studienorientierung an Gymnasien". Sie findet im Rahmen eines einwöchigen Praktikums gegen Ende des 10. Schuljahres statt und soll Jugendliche gezielt und passgenau bei einer zukunftsweisenden Studien- und Berufswahl unterstützen.

Die folgenden Websites werden vom Regierungspräsidium Karlsruhe zur Orientierung empfohlen:

„Karlsruher Weg“: Homepage für Abiturienten, welche die Angebote der Veranstalter auf dem Gebiet der Berufs- und Studienorientierung in Karlsruhe bündelt
www.karlsruher-weg.de

Bildungsnavigator: stellt etwa 400 Bildungswege mit den jeweiligen Zielen des Bildungsganges, den Zugangsvoraussetzungen und Anschlussmöglichkeiten dar
www.bildungsnavi-bw.de

studieren.de: informiert bereits seit 17 Jahren umfassend, unabhängig und kostenfrei zum Thema Studienorientierung und Studium
www.studieren.de

 

Bezüglich des BOGY-Praktikums heißt es für die Schüler zunächst einmal, sich Gedanken um Fähigkeiten, Interessen und Ziele zu machen, Berufsfelder zu recherchieren und Berufsaussichten einzuschätzen. Im Unterricht wird dann z.B. das Schreiben von Bewerbungen oder das Verhalten im Bewerbungsgespräch geübt. Im Praktikum selbst lernen die Schüler das ausgewählte Berufsfeld mit seinen Vor- und Nachteilen kennen und stärken ihre Fähigkeiten in Verhandlungs-, Kooperations- und manchmal auch Konfliktfähigkeit. Während des Praktikums dokumentiert jeder Schüler, was er getan hat und präsentiert seine Erfahrungen in einem BOGY-Bericht.

 

Bericht von Isabell Erb (Promotion 2011/2015) über das BOGY-Praktikum bei der Werbeagentur AgentK:

"Ich interessiere mich für die Wirkung von Werbung. Das war soweit mein einziger Anhaltspunkt, als ich mir überlegte, wo ich mein BOGy machen wollte. Völlig planlos suchte ich also nach Unternehmen in meiner Region. Während des Informierens und Bewerbens merkte ich schnell, dass ein Praktikum bei einem kleineren Unternehmen sinnvoller ist als bei einer Großfirma, denn ich wollte ja in das Geschehen mit einbezogen werden. Dieser Gedanke bestätigte sich schon bei meinem Vorstellungsgespräch, welches trotz Aufregung erstaunlich locker ablief.

Mein erster Arbeitstag bei der Image- und Werbeagentur AgentK begann mit einer kurzen Vorstellung von wichtigen Mitarbeitertätigkeiten und meinen Aufgaben in der kommenden Woche. Bereits in den ersten Minuten wurde deutlich, wie genau alle darauf achteten, das Praktikum möglichst umfassend und interessant zu gestalten. So bekam morgens einen umfangreichen Einblick in verschiedene Arbeitsbereiche und wurde über wichtige Tätigkeiten informiert. Am ersten Tag erarbeitete ich mir beispielsweise die Unterschiede von Werbung,  Journalismus und PR und habe erfahren, wie die Agentur überhaupt entstanden ist. Währenddessen konnte ich mir den ‚ZaberBoten‘, eines der vier Werbemagazine von AgentK, einmal genauer anschauen. Wie man Kunden für ein solches Werbemagazin gewinnen und betreuen kann, erfuhr ich, als ich einen Mitarbeiter zu deren Besuchen begleitete. Außerdem sah ich einer Fotosession zu, wo ich später sogar bei der Bildauswahl zu den Werbetexten mitentscheiden durfte. Jeweils nachmittags erhielt ich dann eine passende Hausaufgabe, womit ich die Gelegenheit bekam, Layouts selbst zu gestalten, Texte zu verfassen und mir geeignete Headlines und Subheadlines sowie Bildunterschriften zu überlegen. Selbstverständlich konnte ich alles, was ich mir überlegt hatte, mit den eigentlichen Endergebnissen vergleichen, worauf ich gute Tipps und Anregungen zur Verbesserung erhalten habe. Des Weiteren hatte ich die Möglichkeit, die Seitenanordnung, bei der es unerwartet viel zu beachten gibt, mit anzuschauen und mir den Druckprozess und das Verteilungsgebiet der derzeitigen  Zeitschrift erläutern zu lassen. 

Wenn ich auf meine BOGy- Woche zurückblicke, bemerke ich, wie viel Neues ich gelernt habe und freue mich darüber, das Schreiben von Texten für mich entdeckt zu haben.Ich könnte mir nun sehr gut vorstellen, später einmal in diese Berufsrichtung einzusteigen oder zumindest ein weiteres Praktikum dieser Art zu machen.“

 

Bericht von Alissa Simon (Promotion 2011/2015) über das BOGY-Praktikum im Architekturbüro Rohrbach & Schmees:

"Als ich am Montagmorgen mit Herrn Rohrbach in sein Büro in der Gießener Innenstadt fuhr, hatte ich noch keine klare Vorstellung von dem Architektenberuf. „Er zeichnet Häuser und er baut sie dann.“ So beschrieb der Sohn eines angestellten Architekten auf einem Zettel, den ich an dessen Pinnwand las, den Beruf seines Papas, und ich merkte, dass ich etwa auf dem Wissensstand dieses Grundschülers war. Was genau sind eigentlich die Aufgaben eines Architekten?

Im Schnelldurchlauf wurden mir noch im Auto die verschiedenen Phasen eines Bauvorhabens, vom Entwurf, über den Bauantrag, bis hin zum fertigen Gebäude geschildert. Mit dieser Hand voll Informationen trat ich meinen ersten Arbeitstag im Architekturbüro an. Meine erste Aufgabe, nachdem ich alle anwesenden Mitarbeiter kennen gelernt
hatte, bestand darin, dreidimensionale Körper verschiedenster Formen abzuzeichnen, wobei immer eine eingefärbte Fläche auszulassen war. Dies sollte mein räumliches Vorstellungsvermögen trainieren. Zwar stellte das dreidimensionale Zeichnen keine große Schwierigkeit für mich dar, doch ich merkte schnell, dass sehr
genaues Zeichnen viel Zeit in Anspruch nimmt, sofern man nicht täglich damit zu tun hat. Irgendwann war ich dann mit den Körpern auf meinem Papier zufrieden und bekam die nächste Aufgabe. Eine Styroporschneider (Styrocut) sollte es mir ermöglichen, die gezeichneten Körper als Modelle nachzubauen. Eine allgemein beliebte Aufgabe unter den Architekten, doch ich musste erst einmal lernen, mit dem Gerät umzugehen. Ein dünner Draht wird durch die Bedienung eines Fußpedals in so große Rotation versetzt, dass man Styropor damit regelrecht „durchschmoren“ kann. Eine feinmotorische und maßstabsgerechte Ausführung war, besonders bei den ersten Versuchen, nicht einfach, doch ich bekam bald ein Gefühl dafür und schnitt schließlich alle meine zuvor gezeichneten Körper zurecht. Am Nachmittag durfte ich Herrn Rohrbach zu einer Besprechung mit einem Bauherrn
begleiten. Es ging um die Anfangsplanung eines Projektes, also die Abgleichung vorhandener Pläne mit den Wünschen des Bauherrn.

Der nächste Tag begann für mich früher als der vorige, denn ich fuhr mit Herrn Kuntsche zu einer Baubesprechung nach Marburg. Dort sollte ein neues Studentenwohnheim entstehen. Der Rohbau stand bereits, alles weitere über die Baustelle erfuhr ich im Laufe des Vormittags. Herr Kuntsche erklärte mir, dass man als Architekt, auch ohne Bauleitung, ein bis zweimal in der Woche auf der Baustelle nach dem Rechten sehen muss, denn wenn es Probleme gibt, wird der Architekt zur Verantwortung gezogen, der gegebenenfalls Abmahnungen verschicken muss. Bei der Baubesprechung wurde der genaue Stand der Baustelle besprochen und über Probleme (z.B. was den Zeitplan und das Eintreffen einzelner Handwerkergruppen betrifft) diskutiert. Einige Unstimmigkeiten stellten sich allerdings erst bei der darauf folgenden Baustellenbegehung heraus. Auf dem Rückweg fuhren wir noch an zwei weiteren Sanierungsarbeiten, die Herr Kuntsche betreute, einem Druckereigebäude und einem Krankenhausparkplatz, vorbei, bis wir gegen Mittag wieder das Büro erreichten. Am Nachmittag stand für mich wieder Zeichnen auf dem Programm. Dieses Mal ging es darum, ein Haus isometrisch zu zeichnen. Isometrisches Zeichnen ist ein Verfahren, Körper in verschiedenen Ansichten, die besonders für die Architektur wichtig sind, darzustellen. Damit verbrachte ich die verbleibende Zeit des Nachmittages und war abends noch nicht mit allen Ansichten zufrieden. Ich verschob die Fertigstellung auf den nächsten Tag.

Nachdem ich am Mittwochmorgen erst einmal die Aufgaben des vorigen Tages beendet hatte, bekam ich einige Architekturzeitschriften in die Hand, von denen ich mich inspirieren lassen sollte. Denn das dreidimensionale und isometrische Zeichnen an den Vortagen hatte zur Vorübung für die Skizze meines eigenen Traumhauses gedient. Ich war beeindruckt von den architektonischen Meisterwerken, die in den Zeitschriften vorgestellt wurden, doch wie sollte ich meine eigenen Vorstellungen auf das Papier bringen? Wie groß war eigentlich eine Küche im Vergleich zum Bad? Ideen hatte ich viele, aber so ganz ohne Maßstab und die richtigen Größenverhältnisse ließ es sich schwer skizzieren. Ein dickes Buch namens „Raumpilot“, in dem man mögliche Maße von Küchenzeilen und Esstischen oder Toiletten und Badewannen finden kann, half mir dabei. Bevor man mit der genauen Planung einer Sanierung beginnen kann, braucht man auch genaue Pläne, nach denen man sich richten kann. Deshalb fuhr ich am Donnerstag mit nach Schlitz. Dort musste eine zu sanierende Gesamtschule neu vermessen werden, da die vorhandenen Pläne nicht aktuell waren. Schon von außen konnte man sehen, dass das Gebäude ziemlich verwinkelt war und der Altbau durch einige Anbauten vergrößert worden war. Drei Mitarbeiter des Büros hatten schon am Vortag mit der Vermessung, die mit Hilfe eines Laserdistanzmessers durchgeführt wird, begonnen, und bereits ungefähr die Hälfte der Pläne erneuert. Nach einem kurzen Blick auf den aktuellen Stand machte ich
mich als dritte „Mitarbeiterin“ zuerst auf den Weg in den Keller, der noch nicht vermessen war. Angenehm kühl war es an diesem heißen Tag im Keller, doch die Freude darüber hielt sich, umgeben von Spinnenweben und Staub, in Grenzen. Aber auch hier hieß es, den Laserdistanzmesser zuerst am Boden anzusetzen und den roten Punkt an der Decke zu suchen, den Knopf zu drücken und den Wert abzulesen. Ein Verfahren, das sich einige Male in jedem Raum wiederholt. Es war nicht immer einfach, einen Punkt zu finden, an dem man mit dem Laserstrahl, ohne
Hindernis „durchschießen“ kann. Nach einiger Zeit wurde die eigentlich anspruchslose Arbeit anstrengend. Von Raum zu Raum gehen, hinknien, wieder aufstehen, jede Verwinkelung einzeln vermessen... Am Abend waren wir alle drei geschafft und froh, wieder zurück nach Gießen zu fahren. Abgeschlossen waren die Vermessungen in Schlitz, trotz ganztägigen Einsatzes, noch immer nicht, aber für mich ging mit diesem Tag ein spannendes Praktikum, von dem ich viele neue Eindrücke mitnehmen konnte, zu Ende.

Um auf das Zitat des Grundschülers zurück zu kommen, ist mir jetzt definitiv bewusst: Ein Architekt macht viel mehr, als nur Häuser zu zeichnen und sie dann zu bauen!"