Klassenfahrten

Griechenland-Reise der Kursstufe

Berlinfahrt der Klasse 10

Segeln der Klasse 9

Rom-Reise der Kursstufe 2012

Indien-Reise 2011

Griechenland-Reise der Kursstufe

von Louis Krause (Promotion 2013/2017)

Fahrt nach Ancona:

Wir wollten uns gegen 1 Uhr an der Bushaltestelle treffen, bis 1.15 waren auch alle da, nur der Bus fehlte. Herr Keitel und sogar Frau King kamen noch extra einmal zu uns, um sich zu verabschieden und uns eine gute Reise zu wünschen. Mit einer Verspätung von einer halben Stunde fuhren wir dann los. Gegen ca. 5 Uhr morgens kamen wir in Füssen an, wo wir uns mit unserem Busfahrer, der uns auf der ganzen Griechenlandfahrt begleiten wird, trafen. Peter machte gleich einen sympathischen Eindruck auf uns alle und wer Lust hat mit ihm zu reden, setzt sich einfach während der Fahrt neben ihn. Man kann sich wirklich gut mit ihm unterhalten und wir haben so auch erfahren, dass er nicht nur Busfahrer, sondern auch noch Fahrlehrer ist. Während der ganzen Fahrt standen wir nicht einmal im Stau und kamen dann gegen 15 Uhr, nachdem wir an den Geburtsstädten von Vergil (Mantova) und Catull (Verona) vorbeigefahren waren, in Ancona an. Der erste Blick auf das Meer hatte sich uns aber schon ca. 2 Stunden früher mit dem Ausruf von Herr Utz "il mare!" geboten.  

Fähre von Ancona nach Igoumenitsa:

Nachdem wir 2 Stunden im Hafen gewartet hatten ging es endlich auf die Fähre. Unsere Schlafplätze waren im großen und ganzen ganz okay.... Allerdings konnte man die ganze Nacht das Licht nicht löschen, was deutlich den Comfort beeinträchtigte. Anfangs versuchte noch so mancher auf dem Deck zu schlafen, allerdings begann es dann zu regnen und so kamen dann schließlich doch alle hinein. Die Fähre hatte ein große Lounge mit Bar und wir spielten den ganzen Abend Karten. In der Lounge wurde auch Karaoke gesungen und so sangen auch nach einigem Zögern unsere Mädels und übertrafen natürlich bei weitem alle anderen Sänger. Allmählich hatten sich die meisten zur Ruhe gelegt, hatten doch fast alle ein wenig Kopfschmerzen vom ständigen Schwanken und Vibrieren, doch einige zog es noch in die Diskothek. Tatsächlich war die Disco schön eingerichtet und die meisten von uns ließen sich die Stimmung durch die fast leere Bar nicht verderben. Gegen morgen zog es mich und fast alle natürlich sofort aufs Deck und es boten sich uns die ersten griechischen Insel zum Anblick. Gegen 10 Uhr (griechischer Zeit) legten wir dann im Hafen von Igoumenitsa an. Dank der neu gebauten Straße erreichten wir das Zeusorakel in Dodona nach einer Stunde Fahrt. 

Zeusorakel Dodona:

Das Zeusorakel von Dodona liegt außerhalb der Stadt in der Ebene. Zusammen mit dem zwei weiteren Teilen, nämlich der Akropolis, dort lebten die Menschen, und der Nekropolis, dem Friedhof, bildete die Agora die klassische griechische Stadt. Die ältesten archäologischen Funde reichen bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurück. Der Orakelkult soll im zwölften Jahrhundert v. Chr. begonnen haben. Ursprünglich bildete nur eine einfache Eiche das Zentrum des Orakels. Priester, die sich nicht die Füße wuschen, deuteten das Rauschen der Blätter. Im neunten Jahrhundert wurden neben die Eiche noch Klangschalen aufgestellt, um die Klänge des Baumes zu erweitern. So taucht die Orakelstätte auch in der Ilias von Homer auf, als Achilleus zu Zeus betet, dass sein bester Freund Patroklos im Kampf unterstützt werden soll: "Zeus, Herr von Dodona! Pelasgier! Ferne wohnend! Der du Dodona beherrschst, der schlimmwinterlichen, und rings wohnen die Sellen, deine Deuter, mit ungewaschenen Füßen, am Boden lagernd." (16. Gesang, V. 232ff) Man vermutet, dass die Menschen immer nur für hochkomplizierte und gewichtige Entscheidungen das Orakel befragt hätten. Aus den überlieferten Orakelsprüchen aber wissen wir, dass vor allem der bürgerliche und einfache Mann nach Dodona kam, um das Orakel zu befragen (nicht so wie in Delphi!!). Er ritzte seine Fragen einfach in kleine Metalltäfelchen und erhielt auf der Rückseite die Antwort. Dass Dodona ein Volksorakel war sieht man gut an den folgenden beiden Orakelsprüchen aus dem 7. Jahrhundert: 

"Soll Nikias die Werkstatt errichten oder nicht?“

„Ist das Kind von mir oder nicht?"

Im vierten Jahrhundert v. Chr. erlebte das Orakel einen großen Aufschwung, da ein großes Weihgeschenk aus Kerkyra gestiftet wurde. Daraufhin stieg der Zustrom zur Orakelstättte stark an und so bekam die alte Eiche eine architektonische Umfassung, den Tempel des Zeus Naios. Direkt daneben befindet sich ein Tempel der Dione, einer weiblich verehrten Form von Zeus. Daneben gab es noch einen Aphrodite- und Heraklestempel. Für die Spiele die jährlich für den Gott des Heiligtums veranstaltet wurden, gab es neben der Laufbahn auch noch ein Theater. Dieses Theater wurde später von den Römern noch umgebaut und konnte so auch als Arena für Gladiatorenkämpfe dienen. Vom Theater ist bekannt, dass das Stück "Andromache" von Euripides aufgeführt wurde. Mich beeindruckt vor allem die Größe des Theaters, bietet es doch Platz für 18.000 Zuschauer. Diese stammten natürlich nicht nur aus der Polis, diese war viel kleiner, sondern kamen zum Teil von sehr weit für ihren Orakelspruch angereist. Im vierten Jahrhundert n. Chr. zerstörte Kaiser Theodosius schließlich das Orakel, ließ die Eiche fällen und grub sogar ihre Wurzeln aus, um den Ort wirklich vollständig zu entweihen.

  • 4 Die ersten griechischen Inseln am Morgen
  • 5 Das Theater in Dodona
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  • Tempelruine der Dione und Akropolis

Meteora – Klöster

Als wir vom Zeusorakel zu unserem ersten Hotel fuhren, regnete es anfangs noch und es war recht neblig. Der Blick auf die phantastischen Felsen blieb uns für den Anfang verwehrt. Aber schon auf der Fahrt hatte man diesen asphaltartigen bzw. betonartigen Stein gesehen, der wie gegossen, ja sogar künstlich, in der Landschaft wirkte.

Am nächsten Morgen sollten wir Glück haben, denn es klarte auf und durch den Regen am Tag davor, war der Ausblick unfassbar klar. Der Ausblick von den Klöstern und auch der Anblick dieser einzigartigen Landschaft ist wirklich wahnsinnig, wenn ihr dort in der Nähe seid, geht dort hin! Von ursprünglich 14 Klöstern sind heute noch 7 übrig geblieben. Sie sind alle oben auf Felskuppeln gebaut. Wir besichtigten zwei der Klöster, ein Herren- und ein Nonnenkloster. Es war etwas merkwürdig, dass einem solchen rituellen Ort, zumindest im ersten Kloster, alles vollkommen von Touristen überlaufen war und Chorgesang über Lautsprecher zu hören war. Das Zentrum der Klöster bildete jeweils das Katholikon. Dieses ist in drei Bereiche durch Mauern geteilt. Den ersten Teil bildet der sogenannte Narthex, in dem die wichtigsten Kulthandlungen vollzogen werden, danach folgt die Hauptkirche und die Apsis, der heiligste Ort, den nur Priester betreten dürfen.

Thermopylen

Auf dem Weg nach Delphi haben wir das moderne Denkmal für den Spartanerkönig Leonidas und seine Krieger besichtigt. Die Spartaner hatten dort in einer Felsenge das Vordringen der Perser verhindert, obwohl sie wussten, dass sie die Stellung nicht halten konnten. Sie kämpften nach spartanischen Idealen bis zum Ende und nahmen ihren Tod für die Freiheit der Griechen in Kauf.

 Der Nabel der Welt – Delphi

Delphi bildete neben Olympia den wichtigsten religiösen Ort der Griechen und war die wichtigste Orakelstätte in der ganzen Antike. Nicht nur Griechen, sondern auch Lyder, wie Kroisos, Thraker und Perser kamen von weit her um ihre Handlungen nach dem Orakel auszurichten. Dem Mythos nach tötete Apollon die dort lebende riesige Schlange Python und nahm den Ort in Besitz. Dort wurde schließlich ein großer Tempel für den Gott Apollon gebaut, in dem die Pythia saß und ihre Orakel sprach. Bekannt sind die Leitsprüche, die auf dem Tempel standen:

„Erkenne Dich selbst“ - Einerseits die Grenzen die man als Mensch hat zu erkennen, andererseits die Eigenheit von sich selbst.

„Nichts im Übermaß“

Die Polis schickten Gesandtschaften zum Orakel, um Entscheidungen zu treffen, wie zum Beispiel wo sie Kolonien gründen sollen. Sie präsentierten ihren Reichtum in prunkvollen Gebäuden und Statuen, um den anderen Poleis zu zeigen, wie mächtig sie sind. Neben den zahlreichen Schatzhäusern gab es noch ein Theater und oberhalb des Theaters ein Stadion. Obwohl sich die ehemaligen Poleis dort heute nicht mehr repräsentieren, stellte die Stadt Athen am Anfang des 20. Jahrhunderts ihr antikes Schatzhaus wieder auf.

Anschließend besuchten wir das Ausgrabungsmuseum, in dem ein gut erhaltener Fries aus dem Schatzhaus der Siphnier zu sehen war. Besonders beeindruckend waren noch eine große Sphinx, der Wagenlenker und der goldene Bronzestier.

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Berlin-Fahrt der Klasse 10

von Lea Frank und Michael Posur (Promotion 2014/2018)

In der Woche vom 18.7.16 bis zum 22.7.16 besuchten wir, die Klasse 10, Berlin. Nach einer langen Fahrt erreichten wir Montagnachmittag den Hauptbahnhof Berlin. Nach einem kurzen Fußmarsch zu unserem Hostel und dem Beziehen unserer Zimmer, machten wir uns auf den Weg, zu Fuß einen ersten abendlichen Eindruck von der Innenstadt zu bekommen. Dabei kamen wir am Kanzleramt, dem Bundestag, dem Brandenburger Tor und an Teilen der Friedrichstraße vorbei. Um 20 Uhr besuchten wir schließlich das Kabarett Theater Distel, in dem es an diesem Abend eine Voraufführung des Stückes „Wer früher zockt ist länger reich“ gab. Der Rückweg zum Hostel führte uns am Spreeufer entlang. In der Woche besuchten wir unter anderem das Mauerdenkmal Bernauer Straße, an dem das Ausmaß der Berliner Maueranlage bewusst wird, da dort ein Teil der Berliner Mauer stehen gelassen wurde, genauso wie das Pergamon Museum, das jüdische Museum und nach einigen Sicherheitskontrollen auch den Bundestag samt seiner Kuppel. Doch nicht nur Museen, sondern ebenso eine Bustour mit der Linie 100 und eine Schifffahrt auf der Spree entlang an vielen Sehenswürdigkeiten, zeigten uns Berlin. Auch ein Besuch des Restaurants, in dem höchstwahrscheinlich der Döner erfunden wurde, war mit dabei. Von einigen wurde die Möglichkeit ergriffen, mit Herr Keitel nach Potsdam zu fahren, um Schloss Sanssouci und seinen Park zu besichtigen. In der Freizeit zwischen unseren Programmpunkten durchstreiften wir in 3er Gruppen Berlin, teils auf der Suche nach Essen, weiteren Kulturprogrammpunkten oder Shopping Malls. Insgesamt stand die Berlin Klassenfahrt in diesem Jahr im guten Gleichgewicht von Kultur und Freizeit und somit war für alle Beteiligten etwas dabei. Danken möchten wir unseren beiden Lehrern, Herr Keitel und Frau King, die uns auf dieser Klassenfahrt begleitet und uns in dieser anstrengenden aber schönen Woche die Möglichkeit gegeben haben, Berlin aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln kennen zu lernen.

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Segeln der Klasse 9

Von Maulbronn aus machten wir uns am Montagmorgen auf den Weg in Richtung Lindau. Als in Stuttgart Miri und Johanna auf uns trafen, waren wir schließlich komplett. Glücklich und beschwingt stiegen wir in den Zug nach Lindau. Der Zug setzte sich in Bewegung und an uns rauschten Bäume und Felder in hohem Tempo vorbei. Es hätte doch alles weiter so unbeschwert laufen können! Aber wer kennt denn die Deutsche Bahn nicht :-D In Friedrichshafen wollte der Zug leider nicht mehr weiterfahren und wir durften allesamt aussteigen. Nichts desto trotz sind wir immerhin angekommen! (mit einer Stunde Verspätung) Aber es hat ein warmes Mittagessen gegeben. Danach durften wir uns ein paar, nein, ziemlich viele Regeln von Christa und Axel, den Segelschullehrern, anhören. Weil es schön warm war, sind wir dann sofort „Segeln“ gegangen. Nennen wir es lieber paddeln, da wir keine Segel gehisst hatten. Später dann haben wir in Gruppen Lindau erkundet. Als wir zurückkamen setzten wir uns zu den anderen auf die Wiese und sangen. David las uns noch eine Gute-Nacht-Geschichte vor, ehe wir schlafen gingen. 

Am Dienstag durften wir zum ersten Mal richtig Segeln. Nach etwas Theorie stiegen wir auf die Boote und mussten erst einmal ein Stück aus dem Hafen herauspaddeln, bis wir schließlich sowohl die Fock, als auch das Großsegel hochzogen. Es war wunderschönes Wetter, etwas Wind und Sonne. Nach der Mittagspause durften wir nochmals in See stechen und wir hatten sogar mehr Wind, wir hatten die Aufgabe um Axels Motorboot herum zu fahren. Wenn der Steuermann Re rief, zog man an der anderen Leine der Fock und wendete somit. 

Am Mittwoch war morgens leider Flaute! Unser Boot kam kaum voran. Dieses mal sollten wir an Christas Boot anlegen und bekamen dabei Bonbons. Nachmittags besuchten wir das Strandbad. Dort angekommen, sprangen alle erstmal in den See. Das war eine tollte Abkühlung! Wir schwammen zur Insel und sonnten dort etwas, die Ruhe wurde jedoch schnell unterbrochen, da die „bösen“ Jungs kamen und uns in den See schmissen. 

Am Donnerstag war es genial! Wir hatten Windstärke 6! Wir düsten förmlich über den See. Wir waren so schnell, dass es gar nicht möglich war, bei Christa anzulegen. Nachmittags machten wir eine Stadtrally, bei der unsere Geduld gefragt war. Abends lud uns Frau Becker in ein Eiscafé ein und wir durften alle einen Eisbecher haben. Es hat himmlisch geschmeckt. An dieser Stelle nochmal einen Dank an Frau Becker. Glücklich und beschwingt gingen wir später zurück. 

Am Freitag ging dann der große Renner mit den Airbrush Tattoos los! Viele haben sich an einem Stand ein Tattoo sprayen lassen. Nachdem die letzten Dinge erledigt waren, machten wir uns alle wieder auf den Weg zum Bahnhof. Uns so schnell war die Lindau Woche schon wieder vorbei! 

Bilder von Christa Diederich

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Rom-Reise der Kursstufe

Alle zwei Jahre wandeln die Klassen 11 und 12 auf altphilologischen Pfanden. 2012 stand eine Reise in die Ewige Stadt auf dem Plan.

Reisebericht von Malte Möring (Promotion 2009/2013)

"Das erste, was mir auf unserer Romreise auffiel und die Reise zu etwas besonderem machte, waren die Berge! Wir fuhren über Nacht und erreichten im Morgengrauen jene norditalienische Ebene, die sich südlich der Alpen ausbreitet. Was für ein Anblick! Obwohl ich schon mehrfach in den Alpen gewesen war, haben mich noch nie Berge so sehr beeindruckt, wie dort, wo sie sich hinter uns als urgewaltige Kolosse erhoben, die ganzen Landschaften als Sockel dienen konnten, noch ohne, dass diese, in denen sich ein Mensch ob ihrer Größe hoffnungslos verlor, mehr als ein Kleid für sie sein konnten. Schon da wäre man gerne eine Weile geblieben. Doch gegen Nachmittag erreichten wir schließlich die ewige Stadt, quartierten uns im Hotel Porta Maggiore ein und begannen, ausgehend von der Piazza del Popolo, dem Platz, den Martin Luther 1511 auf seiner Romreise als ersten der Plätze Roms sah, mit allgemeinen Erkundungen. Da mir einige Tage später mein Tagebuch aus meinem Hotelzimmer gestohlen wurde, während ich darin schlief, muss ich nun meinen Eindrücken und Erinnerungen folgen und kann leider keinen chronologischen Ablauf (mehr) bieten.


Rom ist eine großartige Stadt. Eigentlich schert sich kein Mensch darum, was man darf oder nicht, oder was vielleicht sinnvoller wäre oder nicht, und dennoch, so scheint es, leben Menschen in diesem so lebendigen und notgedrungen kreativen Chaos, und das macht die Sache so aufregend. So haben die Römer eine für uns völlig unverantwortlich erscheinende, aber dennoch funktionierende, Methode entwickelt, Verkehrsunfälle zu sichern:  Stoßen auf einer Kreuzung beispielsweise eine Vespa und ein Fahrrad zusammen und liegt der Radfahrer daraufhin blutend auf der Straßenmitte, so gesellen sich alle Schaulustigen, Beteiligten, Unbeteiligten, Passanten usw. um die Unfallstelle, wo sie dann sehr interessiert nichts tun (außer vielleicht eventuellen Hilfsmaßnahmen zuzusehen) und ganz nebenbei eine viel wichtigere Aufgabe übernommen haben: Die des Warndreiecks. Denn eine Ansammlung von 15 bis 20 Personen sieht und umfährt jeder (römische) Verkehrsteilnehmer sofort.

So und so ähnlich dreht sich Rom. Dabei hat diese Stadt ja noch eine andere Hälfte: Die nämlich, die das ganze zugleich so grotesk, charmant und überhaupt erst möglich macht. Zu ihr gehören unter anderem das Colosseum, dem man seine zeitlose Bedeutung durchaus noch ansieht, die Vatikanischen Museen, von denen ich zu bezweifeln wage, dass je ein einzelner Mensch sie voll erfasst haben kann, und natürlich die zahllosen Bauten, Brücken, Torbögen, Säulen, Ruinen etc. etc., die scheinen, als stünden sie mitten in diesem Chaos einfach nur deswegen, weil noch niemand Zeit und Lust gefunden hat, sich näher mit ihnen zu befassen, und denen es auch völlig egal zu sein scheint, was um sie herum geschieht, sie stehen schließlich schon Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende da. Und diese andere Hälfte ist es, die es mir noch mehr angetan hat, als die Alpen: In Rom kann man Wochen damit verbringen, sich Kirchen anzusehen, eine größer, als die andere, und man wird in jeder einzelnen etwas neues entdecken: Die prunkvoll, aber gemütlich und auf ihre Weise erhaben ruhenden älteren Kirchen, von denen hier Santa Maria Maggiore genannt sei, die mit ihren flachen goldenen Kassettendecken, die so filigran und reich verziert sind, dass der Mensch ihre volle Schönheit gar nicht erkennen kann von dem Boden aus, an den er gebunden ist. Zugleich aber geben sie (zumindest mir) ein sonderbares Gefühl von „zuhause“ und strahlen eine Genügsamkeit aus, wie sie sonst nur Dorfkirchen für weniger als 100 Leute an sich  haben. 

Dem entgegengestellt vermitteln die geradezu wehrhaften Jesuitenkirchen ein eindrückliches Bild von dem Widerstand, den die Reformation in Nordeuropa von Rom aus erfahren sollte. Nach außen hin schlicht und abweisend gegen „die Welt“, ist ihr Inneres eine wahre Schatztruhe an Gold, Stuckaturen, Reliquien, Samt, Marmor, Heiligenfiguren, Altären, Altärchen, Dekorationen aus Holz und Edelmetallen, Portraits, Bildern, Fresken und Devotionalien, die den Besucher schier zu erschlagen scheinen und die in ihrer Masse und „Überzahl“ in Verbindung mit der drängenden gewölbten Decke noch in der Kirche selbst etwas festungsartiges haben, als wollten sie den katholischen Glauben durch die Menge der „Beweisstücke“ erhalten und durchsetzen. Schließlich noch der Gipfel römischer Sakralarchitektur, und ich sage Gipfel, nicht Krone, auch wenn er sicherlich gerne die Krone wäre: Der Dom Sankt Peter, Grablege der Päpste und Manifest des Anspruchs der römischen Bischöfe, Oberhaupt der heiligen Kirche Jesu Christi von Nazareth zu sein. Diese größte aller Kirchen ist in meinen Augen genau das: Zu groß. In ihren weiten Hallen mit der geradezu himmelhohen rund gewölbten Kassettendecke verliert sich (und wieder kann ich nur für mich sprechen) ein Mensch in Scheu und Ehrfurcht, sie ist ein Ort, der versucht, die Größe Gottes darzustellen (doch wer kann das schon?), an dem man sich aber eher verliert, als vor Gott sammelt. Rein architektonisch-ästhetisch ist sie aber sicherlich mit der Höhepunkt Roms und ein Gebäude, das man (zurecht) tagelang bestaunen und bewundern könnte.

Nun werde ich um des Umfangs dieses Berichtes willen nur noch zwei Punkte herausgreifen. Nämlich die Wandkartensammlung der Vatikanischen Museen und das Café, das für mich zu „dem“ römischen Café wurde. In den vatikanischen Museen, in denen ich u.a. auch den Laokoon zu sehen die Ehre hatte (er war erstaunlich klein, aber gerade darin beeindruckend scharf und real, zumindest für etwas dermaßen Mystifiziertes), hängt ein ganzer langer Flur voll mit deckenhohen Wandkarten! Oh Freude! Landkarten gehören mir zu den liebsten Schriftstücken überhaupt, besonders, wenn sie Geschichten erzählen, so wie eben dort eine Karte von Malta, deren Erzählen darin bestand, Städte darzustellen, die ich mit interessanten Geschichten verbinde. Es ist immer wieder ein kleines Glück, auf unbekannten Landkarten bekannte Orte wie alte Freunde zu entdecken. Aus „heutiger Sicht“ aber muss ich sagen, dass ich bedeutend zu wenig Zeit hatte, es reichte gerade, um jede Karte kurz zu überfliegen, aber den Rest des Museums, den ich dafür noch gesehen habe, hätte ich auch nicht auslassen wollen.

Punkt zwei ist weit weniger spektakulär, dafür aber viel persönlicher: Geht man (mit einem Stadtplan) von der Fontana di Trevi über die Via Poli in Richtung der Via del Tritone, und überquert man diese und geht sie dann nach rechts hinauf, so kommt man recht bald zur Hausnummer 45.  Dort befindet sich ein Café, in dem es guten, für römische Verhältnisse aber wahrscheinlich nur durchschnittlichen, Cappuccino gibt, dessen Schokocremeschiffchen (kleine, leichte Teigschälchen mit vorne und hinten wie „Bug“ und „Heck“ zusammenlaufenden Seiten, unten flach, mit einer Schokoladencremefüllung, die von der Konsistenz  her irgendwo zwischen Mousse au chocolat und warmer Schokoglasur liegt und auf der sich kleine Mandelsplitter und unzählige Kalorien finden) aber in jedem Reisebericht lobende Erwähnung verdienen. Hier war ich nur zwei Mal, aber es war jedes Mal den langen und komplizierten Weg dorthin wert. Und diese sind nur die schönsten und größten Eindrücke, die ich aus Rom mitnehmen durfte, ich glaube, die übrigen schreibe ich auch noch auf.

Es gibt im Leben viele kleine Dinge, die es ein klein wenig schöner machen. Auch in der ewigen Stadt. Rom selbst aber gehört nicht dazu. Rom gehört zu den ganz wenigen großen Dingen, die das Leben würdig machen, „Leben“ zu heißen."

 

Indien-Reise 2011

Im März 2011 machte sich, bereits zum zweiten Mal, eine Auswahl des Seminar-Chors auf den Weg in das ferne Land Indien, um die Menschen dort kennen zu lernen, den Horizont zu erweitern und - natürlich - zu singen. Ein Teilnehmer der Indien-Fahrt und Herr Budday, der die Reise organisierte, haben ihre Eindrücke niedergeschrieben:

Bericht von Maik-Andres Schwarz (Promotion 2009/2013)

„Incredible India – Unglaubliches Indien“, so werden Touristen in ein Land voller Wunder gelockt. 25 Seminaristen aus den Maulbronner Promotionen 2008/2012 und 2009/2013 durften vom 28.Februar bis zum 11. März 2011 nach Indien fliegen und dieses wunderbare Land und seine Bewohner kennenlernen und entdecken - und das nicht nur auf touristische Weise: Wie schon im Jahr 2001 wurde der Seminarchor von der südindischen Kirche (CSI), Partnerkirche der Württembergischen Landeskirche, zu einer Chorreise quer durch Indien eingeladen. Viele von uns ließen sich sofort von diesem Gedanken begeistern, auch wenn den meisten dieses Land sehr fremd und unbekannt war.

Wie in einer anderen Welt, einem anderen Universum fühlt man sich in dieser Riesenmetropole, New Delhi, Hauptstadt Indiens. In einem heruntergekommenen Bus fuhren wir zu unserem Quartier, und dennoch kamen wir uns gegenüber den Indern, zu zehnt in ihren Rikschas (kleine dreirädrige Gefährte) sitzend, wie reiche Amerikaner in einer Stretch-Limousine vor. An den Verkehr in Delhi hätte sich wohl auch ein Italiener nicht so schnell gewöhnt: aus zwei werden dort fünf Spuren, Hupen ist ständige Nebenbeschäftigung (wer am lautesten hupt, kommt am besten durch), selbst unser gemütlicher Busfahrer schnitt unzählige Autos und raste mit rasantem Tempo durch unmöglichste Situationen.

Auf dem Gehweg kommt einem sowohl ein Geschäftsmann in Anzug am Handy telefonierend, als auch ein Sikh, ein Anhänger dieser vor allem in Nordindien verbreiteten Religion, in voller Montur mit Turban und Säbel, als auch eine frei herumlaufende Kuh entgegen, wobei man den Muezzinruf von der nicht weit entfernt gelegenen Moschee hört und schon in das Gebäude der nordindischen Kirche eintritt, wo wir untergebracht waren. Die Kirche war stolz, dass sie uns Gastgeber sein durften und gaben sich eine unheimliche Mühe mit uns: wir wurden sehr offiziell begrüßt, beschenkt und bewirtet.

Neben dem kulturellen Höhepunkt, dem Besuch des Taj Mahal in Agra, gaben wir natürlich auch ein Konzert in Delhi. Das war eines der Hauptanliegen der Reise: kultureller Austausch durch Musik. Wir gaben insgesamt zehn Konzerte in Kirchen und sehr großen Konzertsälen, wie zum Beispiel in Bangalore, der zweiten unserer Stationen, und einige andere, kleine Auftritte. Ein buntes Konzertprogramm von barocken, klassischen und geistlichen Stücken, über Gospels und Spirituals bis zu modernen Popsongs sorgte für enorme Begeisterung bei unseren indischen Zuhörern: berührt bedankten sich viele für unser Singen – teilweise mit Tränen in den Augen.
Ein weiteres Anliegen war eine Art Jugendbegegnung zwischen deutschen und indischen Jugendlichen. In Delhi verbrachten wir einen Tag mit Schülerinnen der St.-Thomas School, die uns in das Indira-Gandhi-Museum mitnahmen, und mit denen wir uns über unseren und deren Alltag austauschen konnten. Einige von uns pflegen immer noch regen E-Mailkontakt. Eine weitere Begegnung war ein gemeinsamer Workshop mit Schülern der Nathaniel's School of Music, einer Musikschule, mit denen wir gemeinsam musizierten. Auch bekamen wir dort einen Einblick in indische Tänze. Es war sehr interessant, persönlich mit diesen Leuten ins Gespräch zu kommen und sich mit ihnen auszutauschen, wie das bei einer touristischen Reise nie möglich gewesen wäre.
Nachdem wir viel Kontakt zu Menschen aus der höheren Mittelschicht und Oberschicht der indischen Gesellschaft hatten – einen Schulbesuch können sich nämlich, auch auf christlichen Schulen, nur die etwas Reicheren leisten – kamen wir auch in Kontakt mit den Ärmeren und auch den Benachteiligten. Die Armut und die gesellschaftliche Kluft zwischen Arm und Reich gehört zum Bild auf den Straßen Indiens: Hier ein zerfallenes Hüttchen, in dem eine achtköpfige Familie am Straßenrand lebt, daneben Luxusvillen und Einkaufszentren. Wir besuchten zwar keine Slums, aber viele humanitäre Einrichtungen und Hilfsorganisationen, in denen zum einen armen Kindern, zum anderen Menschen und Kindern mit Behinderungen ein Schulbesuch oder eine Ausbildung ermöglicht wird. Hilfsorganisationen müssen oft mit sehr geringen Mitteln auskommen, so herrschten beispielsweise nach unseren Verhältnissen entsetzliche Zustände in der Küche, die uns gezeigt wurde und in der ungefähr so viele Kinder wie am Seminar versorgt wurden. Es wurde auf dem Boden eines sehr kleinen Zimmers im Sand gearbeitet, gebacken, geschnitten und gekocht. In einem christlichen Krankenhaus erlebten wir mehrere Stromausfälle mit; während Operationen wurden sie bisher davor bewahrt, erzählten uns die jungen Krankenschwestern.

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Ein wesentlicher Punkt auf dem Programm der Reise war natürlich auch ein touristischer: mehrmals waren wir in der Innenstadt von Bangalore einkaufen oder deckten uns auf Märkten mit frischen Mangos, anderen Früchten und Gewürzen ein. Wir besuchten neben dem Taj Mahal auch einen alten hinduistischen Tempel. Außerdem verbrachten wir die letzten drei Tage am Kovala Beach von Trivandrum, wo wir am Strand, im Indischen Ozean oder im Pool unseres Hotels schwimmen, uns sonnen und entspannen konnten. Auch konnte man den Fischern beim Fischfang mit ihren urigen Booten zuschauen, aber auch an der Strandpromenade sein eigenes indisches Gewand zum Spottpreis maßschneidern lassen oder einen Wandteppich erwerben. Begleitet wurden wir von einem Fotojournalisten der Stuttgarter Zeitung, der die Reise auf Film dokumentierte und bald auch veröffentlichen wird. Auch das Mühlacker Tagblatt berichtete ausführlich über unserer Reise. Das Evangelische Gemeindeblatt für Württemberg stellte uns sogar einen „Blog“ im Internet zur Verfügung, in dem noch aus Indien aktuelle Erlebnisse veröffentlicht wurden.

Erstaunt und begeistert von dieser anderen Welt und auch den Menschen in ihrer so anderen Mentalität, die uns warmherzig empfangen haben, blicken wir dankbar auf eine Reise zurück, die uns alle unwahrscheinlich bereichert hat und die kein Beteiligter je vergessen wird! Ganz herzlicher Dank sei hier unserem Reiseleiter, Reverend Leslie Nathaniel, Ernst Wahl, Redakteur des Gemeindeblatts und Mitinitiator der Reise, Herrn Budday und den anderen Begleitern ausgesprochen; auch bedanken wir uns für die Sponsoren- und Spendengelder, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, die Reise durchzuführen.


Bericht von Prof. Jürgen Budday

Die Erlebnisse von vor zehn Jahren schienen mir wert, nochmals einer weiteren Seminaristen-Generation diese oder ähnliche Erfahrungen zu ermöglichen. Rückblickend kann ich sagen, dass sich diese zweite Reise, die sich mehr im großstädtischen Umfeld bewegt hat, in vielen Punkten von der ersten, der mehr ländlicher Charakter zu eigen war, unterschieden hat. Insbesondere war die enorme Entwicklung zu erkennen, die Indien in den letzten zehn Jahren genommen hat.

Für mich als aktiver Teilnehmer und Verantwortlicher beider Reisen haben sich unauslöschliche Eindrücke manifestiert, die zu meinen wertvollen Schätzen zählen, die ich aus meiner Seminarzeit mitnehme. Eine ganz erfreuliche Erfahrung dieser Reise war, dass ich eine Gruppe wunderbarer junger Menschen um mich hatte, die mit großer Disziplin und Hingabe dazu beitrugen, eine so komplexe und risikobehaftete Reise ohne jeden Zwischenfall durchzustehen. Es gab keinen öffentlichen Auftritt bzw. kein Konzert (insgesamt zehn!), bei dem auch nur eine bzw. einer gefehlt hätte. Trotzdem wissen wir, dass es nicht allein in unserer Hand lag, dass alles so wohl verlaufen ist. Meine Hoffnung ist, dass alle TeilnehmerInnen aus dieser Reise ein geweitetes Spektrum an Lebenserfahrung, Sichtweisen, Horizonterweiterung und gegenseitiger Toleranz mitgenommen haben. Auch - und ganz besonders – ist es diese Art von Bildung, die man aus der Schule mit ins Leben nehmen sollte. Schule in ihrem direkten Lebensbezug!